markus imboden

DER TOTE IN DER MAUER

Die Welt
Wenn der Seelenbalast blind macht
Der Film von Regisseur Markus Imboden und Drehbuchautor Holger Karsten Schmidt ist ein anderthalbstündiges soghaftes Vergnügen - sei es nun wegen seiner folgerichtigen, unterschwellig humorvollen Erzählweise, wegen seiner präzise und pointiert inszenierten Dialoge oder wegen seiner starken Charaktere beziehungsweise deren erstklassiger Besetzung. Im Zentrum stehen zwei Polizisten, die einander misstrauen. Der Neue, Wendt, überlegt, warum der Alte, Dudek, ihm unbedingt helfen will und dafür sogar auf den Neuseeland-Trip verzichtet. Dudek fragt sich, wieso Wendt ihn so ungern dabei hat. Bald ermitteln beide heimlich gegeneinander. Dudek findet heraus, dass Wendt damals Kontakt zum späteren Mordopfer Tim hatte. Außerdem soll er wegen pädophiler Neigungen aufgefallen sein. Wendt erfährt, dass Dudek mit Tims Mutter liiert war. Er könnte durchaus der Vater des toten Jungen sein und sich an dessen mutmaßlichem Mörder gerächt haben. Michael Mendl überzeugt als alter Hase, der zwar gelassen und besonnen wirkt, aber diesen alten Fall mit beinahe pathologischer Besessenheit verfolgt, und das trotz seines Gesundheitszustands: Dudek hat Krebs im Endstadium. Gegen die Schmerzen spritzt er sich Morphium. Frank Giering porträtiert Dudeks Nachfolger als Krampfbündel, das anscheinend am liebsten vor sich selbst davonlaufen würde. Diese Figur scheint ständig zu schwitzen. Will Wendt sich nicht vor dem aufdringlichen Dudek blamieren? Ist es die Furcht, dass seinem eigenen Sohn dasselbe passieren könnte wie damals Tim? Die Polizeiwache wird komplettiert durch Anna Maria Mühe. Sie spielt eine von der Vergangenheit unbeschwerte, heitere Polizistin, eine Unschuld vom Lande zwischen zwei Männern mit viel Seelenballast. Dudek und Wendt verdächtigen sich nicht nur gegenseitig. Dank einer Blutspur werden sie auf die eineiigen, aber grundverschiedenen Zwillingsbrüder Gerlach aufmerksam. Die genießen es, die Beamten vorzuführen und sich gegenseitig Alibis zu geben. Der notorisch grandiose Devid Striesow spielt sich in dieser Doppelrolle geradezu selbst an die Wand. Dass hier einige falsche Fährten gelegt werden, lässt die Geschichte keine Sekunde konstruiert erscheinen. Ihr Showdown erscheint als jäher Gewaltausbruch. Das wirkt fast so lakonisch wie bei den Coen-Brüdern. Die Polizei hat am Ende so gut wie gar nichts mehr im Griff, und das Schicksal macht tabula rasa. Dieser Film kennt keinen Gewinner. Mal abgesehen vom Zuschauer.