markus imboden

MOERDERISCH ERPRESSUNG

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.09.2007, Nr. 204, S. 38
Dorfsterben - Jenseits von Gut und Böse: "Mörderische Erpressung"
Am eindrucksvollsten ist der Film (Buch: Holger Karsten Schmidt) in seinen stillen, aber keinesfalls ruhigen Momenten. Etwa wenn die Kamera (Jo Heim) das erwartungsvolle Lächeln von Nina Krohns Mutter erfasst, mit dem sie Klaus Burck empfängt. Kurz zuvor hatte sie bei ihm die Vermisstenanzeige aufgegeben. Erst als sie seinen hilflosen Blick aufnimmt und stumm vom Tod der Tochter erfährt, weicht die Hoffnung in ihrem Gesicht quälender Verzweiflung. Markus Imboden lässt seine Charaktere meist im Halbdunkeln. Mit der einen Hälfte im Licht, mit der anderen im Schatten, dazu in der Schärfe variierend, bewahrt der Regisseur seine Figuren vor Eindeutigkeit. Die wichtigen Momente spielen stets im Morgengrauen, zwischen Tag und Nacht, untermalt von melancholischer Musik. Damit schafft der Regisseur einen atmosphärisch dichten Krimi, der das Schema von Gut und Böse nicht kennt. Stattdessen schickt er den Zuschauer, der sich anfangs der Verteilung seiner Sympathien noch sicher ist, auf eine moralische Gratwanderung, die zum durchaus streitbaren Finale hin sehr, sehr heikel wird. Der Schluss erinnert nicht mehr an Dürrenmatt. MARTIN WITTMANN