markus imboden

DIE LEIBWAECHTERIN

Süddeutsche Zeitung - 17.10.2005
Frauen unter sich
... Seine schönen Augenblicke hat dieser Film also auch, wenn die Frauen unter sich sind. Rudnik als Politikerin ist in ihrer Zuneigung offensiv. Es gibt einen ersten flüchtigen Kuss auf der Türschwelle, später einen ersten Ausflug ins Grüne und schließlich den ersten Sex. Es ist, wie es immer ist. Der eine will alles. Und der andere ist mit den Gefühlen, die ihm zufließen, überfordert.... Und was macht der Regisseur? Er beobachtet beide. Die eine, die sich hingibt, darin ganz zart ist und die im intriganten Politikgeschäft keine Rücksichten kennt. Und die andere, die nicht mehr klar denken kann. Sie wird von einer Frau begehrt, sie muss ihr Verhältnis zum einstigen Ehemann klären, und nebenbei kämpft sie um ihren halbwüchsigen Jungen. Der hatte sich ins Drogenmilieu verirrt, hatte sich Heroin gespritzt und wurde von der Mutter mit kaltem Entzug in der eigenen Wohnung therapiert. Die Dealerschulden bezahlte die Polizistin mit Heroin, das sie aus der Asservatenkammer gestohlen hat. So kann sie die Mafia unter Druck setzen, auch körperlich. Sie soll Termine und Routen, Gesprächspartner und Gesprächsorte ausplaudern. Verzweiflung, Erotik und Schuld sammeln sich in der Leibwächterin, und am Ende schießt sie sich den Weg zum Glück frei. Da ist der Film wie jeder moderne Großstadtwestern. Man findet allerdings viele Bilder, die vor allem bei Barbara Rudnik zeigen, dass Schauspielerei ganz ohne Aktionismus in Gesichtern stattfinden kann. Es ist allein handwerklich großartig, wie sie Freude, Schmerz, Angst und Beherrschung ausdrücken kann. Und dass Markus Imboden das mit seinem Kameramann bedient, weist auf Klasse hin. Doch auch bei Imboden verwandelt sich Ulrike Folkerts nicht in ein scheues Reh, und für eine Romantic Comedy wird man sie vermutlich weiter nicht empfehlen. Allerdings hat sie Szenen, in denen die Zeit steht, in denen sie im Kontext der Rolle Konflikte besser ausdrückt als in den Dialogen. In diesen Szenen erlebt man sie als Typ verändert, jedenfalls wird diese Leibwächterin mehr als tausend Augen gefallen. CHRISTOPHER KEIL Die Leibwächterin, ZDF, 20.15 Uhr.